So, das Ende ist nah. Wir verabschieden uns schonmal aus Toronto und hoffen bald wieder gut in Deutschland anzukommen.
Da unser Versuch hier ein Auto zu mieten ja kläglich an einer Versicherung gescheitert ist, haben wir uns für heute [...]
Da unser Versuch hier ein Auto zu mieten ja kläglich an einer Versicherung gescheitert ist, haben wir uns für heute in einen kleinen Bus eingemietet. Mit Dean (für Deutsche so zu sprechen wie DIN) unserem Fahrer ging es trotz Verspätung entlang dem Ufer des Ontario Sees auf nach Niagara. Übrigens heißt die gesamte Region dort so und wird von den Leuten dort Ni-agra ausgesprochen – wie Viagra nur mit N – die Fälle heißen explizit Falls oder Niagara Falls. Dort kamen wir nach ca. 2 stündiger Fahrt auch an.
Ich dachte es wird dort nass und die Feuchtigkeit würde sich in der Kamera festsetzen – aber weitgefehlt. Die Fälle produzieren zwar einen sanften Regen, der befindet sich aber in einem bestimmten Bereich, den man auch merkt und in dem man den Fotoapparat besser in der Tasche lässt. Rund um die Fälle gibt es eine wunderschön angelegte Parkanlage. Etwas weiter oben gibt es Hotels und Spielhallen. Ein Besucherzentrum lockt mit Souvenirs und reichlich amerikanischem Fastfood. Eine der Verkäuferinnen sprach uns mal wieder an und konnte erst nach mehrmaliger Überzeugung glauben, dass ich auch aus Deutschland komme. Sie nämlich auch – aus Aachen. So trifft man sich. Auch die schweizerische Olympia Mannschaft in – was weiß ich für einer Sportart – war vor Ort und aß Burger. Überall Deutsche, Schweizer, Österreicher und Bayern – nur Spaß.
Wir haben mit der Tour direkt die Fahrt auf den Aussichtturm „Skylon-Tower“ gebucht. Sehr lohnenswert, denn so lassen sich die Dimensionen erst verstehen. Wie Dean sagte: Über den Fall fließen jede Minute so und so viele Badewannen voll Wasser, oder für die Deutschen, so und so viele Millionen Bierflaschen.
Vielleicht mal ein Wort zu den Fällen. Es ist beeindruckend wieviel Wasser dort tatsächlich herabstürzt. Trotz der schieren Masse, die dort in die Tiefe stürzen sind die Fälle nicht laut. Es ist eher ein sanftes Rauschen im Hintergrund. Seit 1885 gibt es eine Stiftung, die sich um den Schutz der Natur der Fälle bemüht – und das erfolgreich und ohne Steuern. Seitdem haben sich 15 Leute die Fälle heruntergestürzt und 5 davon sind dabei gestorben. Es ist übrigens illegal dies zu tun. Es ist eine hohe Geld- und Gefängnisstrafe ausgesetzt – wenn man überlebt.
Nach den Fällen fuhren wir entlang des Niagara Flusses in Richtung der Whirlpool Rapids. Dies ist die Stelle an der vor ca. 12000 Jahren die Fälle ihren Anfang hatten. Dort ist der weltgrößte, natürliche Whirlpool. Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass jemand einen größeren Whirlpool künstlich bauen würde. Das Ganze ist sehr eindrucksvoll, weil tief und von Stromschnellen und Wirbeln gesäumt.
Danach ging es nach Niagara on the Lake. Dabei handelt es sich um ein kleines Städtchen von Loyalisten – also königstreuen – Siedlern errichtet und bis heute mit Liebe zur Denkmalpflege erhalten. Busse dürfen nur vor dem Ort halten. Neon-Werbung und Fastfood-Ketten sind verboten. Das Ganze erinnert stark an eine kleine, deutsche Kurstadt – mal von der Architektur abgesehen.
Auch hier haben wir uns angenehm mit dem Besitzer eines kleinen Souvenirladens unterhalten. Er bot Edelsteine und Kristalle, sowie handgefertigtes zum Verkauf an und kannte Deutschland ebenfalls von seinen Reisen nach Lübeck und Travemünde. Ein reisender fragte ihn gerade, ob es denn einen Schießplatz in der Stadt gebe, wo er schießen könne. Darauf entgegnete der Verkäufer schlicht: „Schauen Sie doch mal im Fort George vorbei, vielleicht starten die Amerikaner wieder einen Angriff, da können die jede Hilfe brauchen.“ Zuvor durch Dean über die Wichtigkeit von Fort George im Kampf um die Freiheit der Stadt informiert, musste ich laut lachen, was der Verkäufer wohl zu schätzen wusste.
Nach dem Bummel durch dieses Städtchen ging es entlang an endlosen Weinplantagen zu 20 Bees. Einer Weinverkostung. Wir kosteten Dan Akroyds (ja, der Blues Brothers und Ghost Busters Dan Akroyd – übrigens ebenfalls Kanadier) Wein, der einer der besten Weine war, den ich je getrunken hatte. Danach gab es noch Eiswein zu kosten. Hier auch wieder Dean: „Icewine was first invented by a german guy, whose grapes got frozen during the night. So he said Oh nein!“ Wir: „Scheiße!“ Dean: „Scheiße!“ – haha. („Eiswein wurde durch einen deutschen erfunden, dessen Trauben in der Nacht eingefroren sind. Also sagte er Oh nein!“) Eiswein ist unglaublich fruchtig und eine kleine Flasche Eiswein enthält genau soviel Trauben, wie in über 30 Flaschen Tafelwein enthalten sind. Es war eine spaßige Fahrt und wir haben viel über die Region erfahren. Auch haben wir mal das ländliche Amerika gesehen und sind aus der beengten Großstadt herausgekommen.
Einige Fotos von unserer Tour gibt es bei Flickr: http://www.flickr.com/photos/39536588@N04/sets/72157622699360442/
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