Den Tag über höre ich mir viele Podcasts an wie Mobile Macs, Bits und so oder die Klassiker Chaosradio und Chaosradio Express um nur einige zu Nennen. Mit allgemeinen Nachrichten versorge ich mich durch die Tagesschau, Twitter und spezielle Kanäle wie Heise oder Mactechnews.
Es ist die Summe dieser Quellen und die Varianz ihrer Formate, die mir erlaubt ein breites Bild von dem zu bekommen, was da draußen vor sich geht. Und was ich da sehe, ist nicht gut. Immer mehr legen die User Daten und damit Wissen, Macht und Geld in die Hand von anderen – ohne darüber nach zu denken. Aber beginnen wir vorn. Der folgende Text enthält eine Reihe von Annahmen und Idealisierungen, die zur Verkürzung und Simplifizierung nötig sind. Ich bin mir dieser durchaus bewusst, möchte diesen Text aber an ein breiteres Publikum richten.
Betriebssysteme, wie wir sie heute kennen, basieren im Kern auf einer Vielzahl Anwendungen, die in ihrem Zusammenspiel ein System ergeben, was es dem User ermöglicht seine Probleme zu lösen. Mit einem Office Programm kann ich zum Beispiel einen Text schreiben und ihn dann mit meinem E-Mail Programm versenden. Dröseln wir diesen einfachen Vorgang mal explizit auf.
Ich starte ein Office Programm meiner Wahl auf meinem Rechner. Ich habe dafür bezahlt, dass ich dieses Office Programm nutzen kann. Der Hersteller des Programms versucht mir für mein Geld das beste Programm zu liefern, das er kann. Dieses Programm starte ich und erstelle ein neues Dokument. Nachdem ich es mit Inhalt befüllt habe, speichere ich das Dokument auf meiner Festplatte. Zum Abschluss versende ich das Dokument von meiner Festplatte aus per E-Mail an einen anderen User.
So – oder ähnlich – hat der Datenaustausch die letzten 20-30 Jahre funktioniert. Es gibt nun Firmen, Einrichtungen oder Medien, die uns vermitteln möchten, dass dieser Weg schlecht ist. Man solle doch vielmehr ihr Online-Office-Tool verwenden und die Datei auf einem ihrer Server speichern. Danach den Datenaustausch über eine Freigabe der Datei für einen anderen Nutzer ermöglichen, in dem ich diesen Nutzer auch auf diese Plattform zwinge.
Es ist mir wichtig darauf hin zu weisen, dass das E-Mail Programm, das Office Programm, das Betriebssystem – ja sogar die Festplatte vorher vom User selbst ausgewählt worden sind. Er hat für sich das Beste herausgesucht und genutzt. Er allein war für die Funktion verantwortlich. Er allein hat die Kontrolle über die Komponenten gehabt. Er allein kontrolliert den Zustand seiner Daten.
Wir waven, twittern, bloggen, studivzen, facebooken, myspacen, icqen und füttern Hersteller und Anbieter mit Daten, die sie schlicht nicht interessieren sollten.
ICQ hat in seinen Geschäftsbedingungen verankert an allem, was über seinen Dienst wandert die Rechte zu halten. Sendet man eine Datei oder eine Konversation mit einem verfassten Text über das ICQ Netzwerk, so tritt man damit (bis auf das Urheberrecht) alle Rechte an ICQ ab. Sie wussten das nicht?
Bei StudiVZ, Facebook und Myspace fallen täglich Millionen von Bytes an Bildern, Texten und Nutzungsdaten an. Was Nutzungsdaten sind? Diese Systeme sind soziale Netzwerke. Ihre Betreiber versuchen Geld damit zu verdienen zu verstehen wie diese Netzwerke funktionieren, wie sich Interessensgruppen bilden, Trends entstehen oder welche Personen besonders wichtige Knoten in diesem Netzwerk sind. Damit lässt sich gezielt werben oder im schlimmsten Fall diese Information verkaufen. Sie wussten das nicht?
Nutzen Sie einen Blogging-Dienst auf einem Blog-Hoster wie blogger o.ä.? Hier gilt ähnliches. Es fallen weniger Daten an, die aber nicht minder fundiert sind.
Twitter sucht noch nach einem Weg aus 140 Zeichen – sog. Microblogs – Geld zu machen und Googles Wave – auch wenn technisch interessant – lässt die Grenze zwischen privater und öffentlicher Kommunikation gegen null gehen! Konversation, Projektplanung und Datenaustausch sind in ihrem Zeitablauf dokumentiert und alle Teilnehmer können diesen Nachvollziehen. Google selbst mit seiner Suchmaschine verdient täglich unmengen Geld damit Werbung für Sie passend zum Suchbegriff anbieten zu können. Das weiß es, weil es weiß wo sie herkommen – damit ist ihre Geolokation gemeint (also die auf der Landkarte) -, an welcher Art Rechner Sie sitzen und welche Seiten sie angesurft haben. Damit lassen Sie sich als Zielgruppe sehr genau analysieren.
Als Gegenleistung dafür erhalten Sie die Suchergebnisse. Jeder der oben genannten Dienste bietet natürlich eine Gegenleistung für die Daten die man ihm überlässt. Es ist an uns – den Benutzern dieser Dienste – zu klären ob uns diese Daten diesen Preis wert sind. Dabei bezahlen wir gleich doppelt. Erstens stellen wir dem Betreiber des Dienstes die Daten kostenlos zur Verfügung (Oder wie bei Xing, wo man unter Umständen sogar noch Geld dafür bezahlt!), sondern erlauben auch anderen Nutzern diese Daten zu konsumieren. Dass das nicht immer die Nutzer sind für die die Daten bestimmt waren ist uns allen klar. Da werden Fotos von den Töchtern am Strand plötzlich in der Klasse als Bikini-Fotos rumgereicht. Schüler werden Online Gemobbt, potenzielle Arbeitgeber werden von den Bildern der letzten Disconacht beeinflusst und und und…
Medienkompetenz spielt in diesem Zusammenhang eine sehr große Rolle. Sind wir so Inkompetent, dass wir zur Kontaktaufnahme zu Schulkameraden von vor 5 Jahren ein StudiVZ benötigen oder könnten wir nicht die alte Telefonnummer anrufen und uns zum Kaffee verabreden? Wollen wir unser Projekt an den seidenen Faden einer GoogleWave (wohlgemerkt einer Software im frühen Alpha Stadium) anvertrauen, oder auf etablierte Projektmanagementsysteme – und seien es Stift und Zettel – zurückgreifen?
Viele Personen, vor allem in oben genannten Podcasts sind so abhängig von den Technologien der Hersteller – wie Google oder anderen – dass sie ohne diese weder Kalender, Adresse, Ort noch E-Mail wiederfinden könnten. Man kann sich den Spaß selbst machen und mal versuchen einen Tag ohne einen solchen Hersteller auszukommen. Wenn man der Meinung ist nicht in seiner Freiheit beschnitten worden zu sein, ist man nicht abhängig. Wenn meine Domain, an der E-Mail und blog hängen abgeschaltet würde. Kein Problem. Ich hab noch ein paar Server mehr. Wenn mein Office-Programm nicht mehr geht, nehme ich das nächste. Wir sollten unsere Abhängigkeit von der Hardware nicht noch auf die Software ausweiten.
Es liegt in unserer Hand. Jeder hat das Recht seine Daten zu schützen. Aber so ein Recht fällt nicht einfach so vom Himmel, man muss es schützen und verteidigen. Nutzen Sie Ihr E-Mail Programm. Speichern Sie Dateien auf Ihrer Platte, machen sie ein Backup auf einer günstigen externen Festplatte und Sie erreichen die gleiche – wenn nicht höhere – Sicherheitsstufe wie die meisten Rechenzentren. Nutzen Sie ein Office Programm – ob gekauft oder nicht – und nutzen Sie ihren Browser zur Recherche und nicht als Datenablage.










